von Katia Ernst | Juli 28, 2026 | Artikel
Die Einreichungsphase ist abgeschlossen. Die Jury steht fest. Die ersten Beiträge treffen ein. Der nächste wichtige Schritt ist die Bewertung der Einsendungen. Doch wie soll das konkret aussehen?
Diese Entscheidung bestimmt den gesamten Bewertungsprozess. Sie beeinflusst, wer gewinnt, wie fair der Prozess wahrgenommen wird und wie viel Vertrauen Teilnehmende in Ihr Programm setzen.
Zu häufig übernehmen Organisationen einfach die Methode, die sie schon immer genutzt haben, ohne zu hinterfragen, ob sie noch zum jeweiligen Programm passt.
Dabei gibt es nicht die eine richtige Methode. Ein Innovationspreis mit 500 Einreichungen braucht einen anderen Ansatz als ein Publikumspreis für die beliebteste Marke des Jahres. Umso wichtiger ist es, die verschiedenen Bewertungsansätze zu kennen und zu verstehen, welche Methode für welches Programm am besten geeignet ist.
Award-Programme unterscheiden sich stark in Zielsetzung, Teilnehmerzahl und Komplexität der Kriterien. Genau deshalb lohnt es sich, die Bewertungsmethode ganz bewusst zu wählen.
Passt die Methode nicht zum Programm, zeigt sich das schnell: Jurymitglieder bewerten uneinheitlich, Kriterien sorgen für Diskussionen, oder der Prozess wird bei steigenden Teilnehmerzahlen kaum noch handhabbar.
Die Soziologin Stacy Lom hat in ihrer Studie „Judging by the Rules? The Emergence of Evaluation Practices“ untersucht, wie Bewertungspraktiken im Eiskunstlauf und in der klassischen Musik entstehen und sich unterscheiden. Ihr Ergebnis: Je zentraler und stärker vernetzt ein Wettbewerbssystem organisiert ist, desto formaler und stärker standardisiert wird auch die Bewertung. Bei eigenständigen, weniger vernetzten Programmen bleibt dagegen mehr Raum für Ermessensspielraum und Diskussion in der Jury.
Übertragen auf Award-Programme bedeutet das: Struktur und Zielsetzung eines Programms bestimmen, welche Bewertungsmethode am besten passt, nicht umgekehrt.
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Bei dieser Methode bewerten Jurymitglieder jede Einsendung anhand vorgegebener Kriterien, etwa Innovation, Umsetzung und Wirkung. Jedes Kriterium erhält eine Gewichtung, die seine Bedeutung für die Gesamtbewertung widerspiegelt. Die Endpunktzahl ergibt sich aus der Summe der gewichteten Einzelbewertungen.
Diese Methode eignet sich besonders für Programme mit klar definierten fachlichen Anforderungen, etwa Innovationspreise, Nachhaltigkeitsauszeichnungen oder Wettbewerbe im Bereich Forschung und Technik. Sie schafft Transparenz und lässt sich gut dokumentieren, was bei Rückfragen von Teilnehmenden äußerst hilfreich ist.
Der Nachteil: Sie erfordert im Vorfeld sorgfältige Arbeit. Kriterien und Gewichtungen müssen durchdacht und mit der Jury abgestimmt sein, sonst drohen verzerrte Ergebnisse. In Award Force entspricht dieser Ansatz dem VIP-Bewertungsmodus, bei dem sich Kriterien und Bewertungsskalen frei konfigurieren lassen, von numerischen Werten bis hin zu Empfehlungsstufen wie Gold, Silber und Bronze.
Bei der Ranglistenwahl, im Englischen Single Transferable Vote (STV) genannt, ordnet die Jury die Kandidat:innen nach Präferenz, statt Punkte zu vergeben. Das Verfahren berücksichtigt diese Präferenzen in mehreren Runden und ermittelt so ein Ergebnis, das den Gesamtwillen der Bewertenden besser abbildet als eine einfache Punktesumme.
Diese Methode eignet sich gut, wenn mehrere gleichwertige Optionen zur Wahl stehen und eine einzelne Punktzahl der Komplexität nicht gerecht würde, etwa bei der Wahl von Mitgliedern für ein Gremium oder bei Personality-Awards mit vielen ähnlich starken Kandidat:innen. STV reduziert den Einfluss einzelner extremer Bewertungen und fördert Konsensentscheidungen.
Allerdings ist es für Teilnehmende und teilweise auch für Jurymitglieder weniger intuitiv als eine direkte Punktevergabe. Eine klare Kommunikation, wie die Auswertung funktioniert, ist hier besonders wichtig.
Statt Punkte zu vergeben, prüft die Jury bei dieser Methode nur, ob eine Einsendung bestimmte Mindestanforderungen erfüllt. Es gibt keine Rangfolge, sondern lediglich eine Ja/Nein-Entscheidung.
Diese Methode passt zu Zertifizierungsprogrammen, Akkreditierungen oder Vorauswahlrunden, bei denen es zunächst darum geht, die Grundvoraussetzungen zu prüfen, bevor eine inhaltliche Bewertung erfolgt. Sie ist einfach umzusetzen und lässt wenig Interpretationsspielraum, was Konsistenz zwischen mehreren Jurymitgliedern erleichtert.
Der Grenzfall liegt oft in der Formulierung der Kriterien. Sind diese zu vage, entstehen dennoch Diskussionen über Auslegung und Fairness.
Bei der öffentlichen Abstimmung entscheidet nicht eine Fachjury, sondern das Publikum über die Gewinner:innen. Die Stimmen werden in der Regel über eine Onlineabstimmung abgegeben. Diese Methode eignet sich für Programme, bei denen Bekanntheit, Beliebtheit oder Community-Engagement im Vordergrund stehen, etwa bei Publikumspreisen im Marketing- oder Medienbereich.
Öffentliche Abstimmungen steigern die Sichtbarkeit eines Programms erheblich und binden Teilnehmende aktiv ein, da diese ihr Netzwerk zur Stimmabgabe mobilisieren. Gleichzeitig birgt diese Methode Risiken: Manipulationsversuche durch automatisierte Stimmabgaben oder Stimmenkauf sind reale Gefahren. Wer öffentliche Abstimmungen einsetzt, braucht daher verlässliche technische Schutzmechanismen, etwa zur Erkennung von Bot-Traffic und Mehrfachabstimmungen.
Ebenso wichtig ist eine Plattform, die hohe Sicherheits- und Datenschutzstandards erfüllt. Award Force bietet dafür unter anderem Multi-Faktor-Authentifizierung, rollenbasierte Zugriffskontrollen und eine nach internationalen Standards zertifizierte Sicherheitsarchitektur.
In der Praxis kombinieren viele erfolgreiche Award-Programme mehrere Methoden. Ein typisches Modell: Eine erste Runde erfolgt nach dem Ja/Nein-Prinzip, um die Einsendungen auf ein handhabbares Niveau zu reduzieren. Anschließend bewertet eine Fachjury die verbliebenen Kandidat:innen mit gewichteten Kriterien, während eine öffentliche Abstimmung als zusätzlicher Faktor oder als eigene Kategorie „Publikumspreis“ einfließt.
Hybridmodelle bieten Flexibilität und lassen sich an komplexe Programmstrukturen anpassen. Sie erfordern jedoch eine klare Prozessplanung, damit Teilnehmende und Jury jederzeit nachvollziehen können, welche Phase gerade läuft und wie sich Bewertungen zusammensetzen.
Wie verbreitet dieser Ansatz mittlerweile ist, zeigen interne Plattformdaten von Award Force:
72 % unserer Kunden setzen heute auf ein mehrstufiges Bewertungsverfahren.
Für die meisten Award-Programme ist die Kombination mehrerer Methoden also längst keine Ausnahme mehr, sondern der Regelfall.
Wie sich beide Ansätze sinnvoll kombinieren lassen, zeigen wir anhand konkreter Beispiele in unserem Beitrag zur quantitativen und qualitativen Bewertung.
Dass viele Programme tatsächlich mehrere Bewertungsmethoden miteinander kombinieren, zeigen auch unsere Plattformdaten. Über alle Award-Force-Kunden hinweg zeigt sich folgendes Bild bei der Nutzung einzelner Bewertungsmodi: Am häufigsten kommt die VIP-Bewertung zum Einsatz, unsere Umsetzung der gewichteten Kriterienbewertung. Es folgen der Gallery-Modus, die Qualifizierung, unser bestanden/nicht bestanden-Verfahren, die Abstimmung, unser Modus für öffentliches Voting, und Top Pick, die Ranglistenwahl.
Diese Verteilung spiegelt genau das wider, was auch die Methodenübersicht oben nahelegt: Eine strukturierte Kriterienbewertung durch eine Fachjury bildet für die meisten Programme das Rückgrat des Prozesses, während Vorauswahl-, Abstimmungs- und Ranking-Mechanismen je nach Programmziel ergänzend zum Einsatz kommen.
Die Wahl der passenden Methode hängt von mehreren Faktoren ab. Diese Fragen helfen bei der Entscheidung:
Wie viele Einreichungen erwarten Sie? Bei sehr hohen Teilnehmerzahlen empfiehlt sich häufig eine erste Qualifikationsrunde, bevor eine aufwändigere Kriterienbewertung folgt.
Wie homogen sind die Einreichungen? Bei sehr unterschiedlichen Kategorien oder Formaten liefert eine gewichtete Kriterienbewertung mit kategoriespezifischen Kriterien meist fairere Ergebnisse als ein einheitliches Punktesystem.
Wie wichtig ist die Außenwirkung des Programms? Wenn Reichweite und Community-Bindung im Fokus stehen, lohnt sich eine öffentliche Abstimmungskomponente, idealerweise ergänzt durch eine Jurybewertung als Qualitätssicherung.
Wie erfahren ist Ihre Jury? Neue oder wechselnde Jurymitglieder profitieren von klar strukturierten Kriterien mit Skalen und Erläuterungen. Erfahrene Jurys kommen oft auch mit Ranglistenverfahren gut zurecht.
Ein weiterer praktischer Aspekt: Die Bewertungsmethode sollte sich technisch sauber abbilden lassen, ohne dass Ihr Team am Ende Punkte manuell aus Tabellen zusammenrechnet. Eine gute Scoring-Plattform für Awards bildet unterschiedliche Bewertungsmodi ab und lässt sich an die jeweilige Programmstruktur anpassen, von einstufigen bis zu mehrstufigen Bewertungsverfahren.
Award Force unterstützt genau diese Vielfalt an Bewertungsansätzen. Die Plattform lässt sich flexibel konfigurieren, sodass Programm-Manager ihre Kriterien, Gewichtungen und Bewertungsphasen selbst festlegen können, bei gleichbleibend strengen Sicherheits- und Datenschutzstandards für alle Beteiligten.
Mehr zu den technischen Grundlagen unterschiedlicher Bewertungsmodi und zum Aufbau mehrstufiger Bewertungsverfahren finden Sie in unserer Bewertungs-Suite.
Es gibt keine universelle Bewertungsmethode, die für jedes Award-Programm passt. Die gewichtete Kriterienbewertung überzeugt bei fachlich anspruchsvollen Wettbewerben, die Ranglistenwahl bei vielen gleichwertigen Kandidat:innen, das Bestanden/nicht-bestanden-Prinzip bei Zertifizierungen und die öffentliche Abstimmung, wenn Reichweite und Community im Mittelpunkt stehen. Hybridmodelle verbinden diese Ansätze und schaffen so maßgeschneiderte Lösungen für komplexe Programme.
Die richtige Methode zu wählen bedeutet, die Ziele Ihres Programms genau zu kennen und den Bewertungsprozess entsprechend zu gestalten. Award Force begleitet Programm-Manager, Jurymitglieder und Admin-Teams dabei, diesen Prozess fair, effizient und nachvollziehbar zu gestalten, damit am Ende jede Auszeichnung das verdiente Vertrauen genießt.
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